Bei wolkenlosem Herbstwetter mache ich mich früh morgens auf, um eine kleine Runde zu gehen. Ich starte um 8.00 Uhr und fahre mit dem Auto zum Gasthof Reit. Es ist es noch ziemlich kalt, +2 Grad zeigt mein Außentemperaturmesser im Auto an. Auf den Feldern, wo noch keine Sonne hinkommt, liegt Reif (Frost) und es ist ganz weiß.
Ich gehe zur Weitenhausalm, mit zügigem Schritt wandere ich über den alten Wanderweg hoch zur Alm. Vorbei an dem kleinen See und der alten Mühle, gehe ich durch Lerchenwald, bis ich ins Almgelände der Weitenhausalm komme.
Die Sonne erstrahlt über dem Nösslerriedel und es wird wärmer. Fasziniert von der Morgensonne und dieser herrlichen Stimmung zieht es mich förmlich weiter und ich gehe stetig bergauf. Heute fällt mir das Gehen ganz leicht und ich genieße jeden Schritt, obwohl ich doch über 300 Höhenmeter überwinden muss bis zum Nösslerriedel. Schritt für Schritt steige ich bergauf. Nach gut einer halben Stunde empfängt mich ein herrlicher Ausblick am Nösslerriedel. Der Rettenstein, der Torstein, der Mitterspitz, die Dachstein-Südwand, der Dachsteingletscher mit der Bergstation und der Koppenkarstein leuchten in der Morgensonne ganz nah. Ich setze mich auf eine Bank und genieße den Ausblick und die wunderbare Ruhe. Kein einziger Mensch ist mir bislang begegnet. Am Fuße des Rettensteins entdecke ich jemanden - es ist ein Bauer, der den Zaun für den Winter ablegt.
Drehe ich jetzt um oder gehe ich weiter? Nein, es ist so traumhaftes Wetter und das Gehen fällt mir heute leicht, ich wandere weiter Richtung Bachlalm. Also gehe ich querfeldein (soll man zwar nicht, im Herbst ist es jedoch nicht so schlimm, da keine Kühe mehr auf der Alm sind) und gelange zum Naturlehrpfad der Bachlalm, dort zweige ich ab und marschiere weiter zur Filzwiese. Diesen Weg bin ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gegangen. Er ist wunderschön. Ein schmaler Steig, wie ich ihn liebe, führt durch den Wald und quert steile Hänge und ein paar Gräben. An einem Hang zwischen schon rötlich gefärbten Schwarzbeersträuchern entdecke ich ganz große dunkelrote Preiselbeeren. Mmmh, schmecken die gut und sind nebenbei so gesund. Immer mehr finde ich, Gott sei Dank habe ich ein kleines Sackerl mit. Also fange ich gleich an, die Preiselbeeren zu pflücken. Ich liebe Preiselbeermarmelade zum Wiener Schnitzel, eigentlich esse ich sie zu fast allen Fleischgerichten.
Weiter geht’s Richtung Filzwiese, welche in allen Herbstfarben leuchtet, von bräunlichen und roten Tönen bis hin zu den verschiedensten Gelb- und Grünschattierungen – einfach wunderschön.
Ein Stück nach der Filzwiese zweige ich rechts ab und gehe über den Forstweg Richtung Weitenhausalm. In der Nähe der Weitenhausalm höre ich den Warnpfiff eines Murmeltieres, ich sehe es jedoch nicht. Auf einmal entdecke ich ein wohlgenährtes, relativ großes Murmeltier. Es steht auf den Hinterbeinen und schaut zu mir herab. Wie versteinert steht es da und rührt sich nicht. Bei den Murmeltieren hält immer ein Tier Wache und warnt die anderen, wenn jemand in die Nähe kommt. Sie sind bestens koordiniert!
Von der Weitenhausalm nehme ich wieder den alten Almweg und wandere über den Weitenhaushof zu meinem Auto zurück. Es ist halb zwölf und ich komme gerade richtig zum Mittagessen nach Hause!
Aus einer geplanten kleinen Runde wurde eine wunderschöne Wanderung von ca. 3,5 Stunden Gehzeit, die ich sehr genossen habe.
Der Herbst ist einfach die schönste Zeit zum Wandern!



