Mein Heimatort ist das Bergdorf Filzmoos. Dass der kleine Ort im Salzburger Land ein Eldorado für Wanderer ist, weiß mittlerweile fast jeder. Was weniger bekannt ist: er ist auch ein Geheimtipp für Mountainbiker. Mit zehn abwechslungsreichen (E-)Mountainbike-Routen zeigt Filzmoos bei Radsportfreunden besonders auf und so können insgesamt 130 Kilometer in atemberaubender Landschaft mit dem Bike erklommen werden.
Radfahren abseits der Massen
Mountainbike-Touren gibt es beinahe in jeder Tourismusregion. Was das Mountainbiken in Filzmoos für mich so besonders macht und von anderen Regionen unterscheidet, sind die vielen bewirtschafteten Almen entlang der Strecken und das unvergleichliche Bergpanorama, das sich bei jeder Tour zeigt. Ruhesuchende und Naturliebhaber kommen voll auf ihre Kosten.
Los geht’s in die neue Fahrradsaison
Ich kann es kaum erwarten, dass die letzten Schneefelder schmelzen und ich endlich wieder eine ausgedehnte Mountainbike-Tour machen kann. Geht’s euch auch so? Ich habe mein Bike bereits aus dem Winterschlaf geholt, es geputzt, überprüft und ein paar kleinere Runden gedreht.
Mautstelle Hoferalm-Straße. Bild: ©CoenWeesjes
Filzmooser Hütten-Rallye
Heute möchte ich euch die „Filzmooser-Hütten-Rallye“ vorstellen. Mit einer Länge von insgesamt 19 Kilometern und einem Höhenunterschied von 600 Metern ist sie als eher schwierige Tour einzustufen.
Gestartet wird im Ortszentrum. Die Strecke verläuft durch den Ort Richtung Hofalmen. Zunächst etwas mehr als 1 Kilometer den Hofalmenweg entlang, dann biege ich links ab und habe gleich den ersten knackigen, allerdings kurzen Anstieg auf den Marcheggsattel zu bewältigen.
Am Sattel angekommen, geht es nach ein paar Metern rechts zunächst durch Wald- und anschließend freies Almgebiet in Richtung Aualm zur Kirchgasshütte. Ich fahre auf einer Forststraße entlang, die stetig leicht ansteigt.
Die Region bietet eine einzigartige Bergkulisse. Bild: ©CoenWeesjes
Das Tolle an dieser Strecke ist, dass man so gut wie nie auf Autos trifft, denn die Aualm ist nur zu Fuß, mit dem Mountainbike oder mittels Almi-Shuttle oder Taxi erreichbar. Für den öffentlichen Verkehr ist die Straße gesperrt, für Biker ein sehr angenehmer Umstand.
Bei der Auffahrt zur Aualm ist die Bischofsmütze ein ständiger Begleiter und ihr majestätischer Anblick spornt bestimmt auch euch an.
Krapfen oder deftige Jause?
Eine kurze Einkehr auf der gemütlichen Kirchgasshütte (1.366 m) ist unbedingt zu empfehlen. Tipp: Probiert die herrlichen Bauernkrapfen oder die vielen verschiedenen Käsesorten, für die diese Hütte bekannt ist und genießt den Blick auf die Bischofsmütze.
Über Almgebiet zur Sulzkaralm
Hier beginnt der technisch anspruchsvolle Teil der Tour, der über einen schmalen Trail gleich hinter der Kirchgasshütte über wunderbare Bergwiesen am Fuße der mächtigen Bischofsmütze führt. Gute Fahrtechnik ist dabei Voraussetzung!
Der Weg steigt beständig leicht an. Als letzte kleine Herausforderung erweist sich eine steilere Rampe, die mitsamt Bike überwunden werden muss. Schließlich gelange ich auf einen Forstweg.
Die Sulzkaralm ist bei Bikern und Wanderern beliebt. Bild: ©CoenWeesjes
Links geht es hinunter zur Arzbergalm und weiter nach Neuberg, doch ich halte mich rechts und fahre noch das kurze Stück bergauf zu meinem nächsten Etappenziel, der Sulzkaralm (der Abstecher zur Sulzkaralm in Zahlen: + 1,4 km, + 100 Höhenmeter)
Jause vom Feinsten
Auf 1.543 Meter Seehöhe, am Fuße der Bischofsmütze und des Gosaukamms liegt eine kleine, urige Hütte, die Biker und Wanderer willkommen heißt: die Sulzkaralm. Nicht umsonst ist sie 2015 zur Almsommerhütte des Jahres gekürt worden.
Tipp: Die weitum bekannte „Kasjausn“ mit frischem Bauernbrot und selbstgemachter Almbutter ist die Spezialität der Hütte. Wer sie nicht probiert, ist selbst schuld.
Auf geht’s zur Arzbergalm
Von jetzt an geht es nur noch bergab. Ich fahre von der Sulzkaralm die Forststraße hinunter zur nächsten Hütte. Dafür brauche ich kaum 10 Minuten und schon liegt die Arzbergalm, 1.339 m, eine der ältesten Almhütten von Filzmoos vor mir.
Deftige Jause für hungrige Biker.
Nach jahrelangem Dornröschenschlaf ist diese Hütte seit 2018 wieder bewirtschaftet. Tipp: Feinschmecker genießen dort das sogenannte „Jägerbrot“, ein selbstgemachtes Bauernbrot belegt mit Hirsch-Selchfleisch und verfeinert mit Bärlauchbutter.
Retour zum Ausgangspunkt
Von der Arzbergalm führt die Forststraße nach Neuberg. Von Neuberg geht es dann ohne nennenswerte Höhenunterschiede knapp 4 km auf der Straße bzw. auf Radwegen zurück nach Filzmoos.
Kneippen zum Abschluss
Wer seinen müden Füßen etwas Gutes tun möchte, der macht am besten noch einen kurzen Abstecher zur Kneippanlage. Dafür fährt man wieder durch das Ortszentrum von Filzmoos und folgt der Straße Richtung Hinterwinkl für ungefähr 300 m. Prickelnd frisch umfließt das kalte Wasser die Beine und wirkt angenehm belebend und stimulierend.
Lust auf mehr?
✓ Rossbrand-Runde: 25,85 km; 800 m Höhenunterschied – mittel
✓ Schnitzberg-Runde: 9,5 km; 300 m Höhenunterschied – leicht
✓ Schwarze Lacke-Runde: 15,9 km; 350 m Höhenunterschied – mittelschwer
✓ Sattei-Runde: 14,57 km; 500 m Höhenunterschied – mittel
✓ Mandling-Rallye: 19,24 km; 600 m Höhenunterschied – mittel
✓ Hofalmen-Runde: 14,3 km; 300 m Höhenunterschied – leicht
✓ Variante Sulzenalm-Uphill: 3,24 km; 350 m Höhenunterschied – mittel
Etwas ambitioniertere Biker erwarten aber anspruchsvolle Touren, wie die Gerzkopf-Runde mit 48 km und 950 m Höhenunterschied, die Dachstein Panorama-Runde mit 62 km und 1.350 m Höhenunterschied oder die Dachstein Runde mit 260 km und 9.700 m Höhenunterschied.
Artikel von Gerald Bacher/Zweiradkraft