Mein schönster Platz!
Am Fuße des Rötelsteins schmiegt sich die Wallehenhütte ganz unscheinbar an den felsigen Almboden der Gebirgslandschaft. Der Blick auf die Bischofsmütze, rosa leuchtender Almrausch sowie saftig grüne Wiesen laden Wanderer seit Jahren dazu ein, im Gebiet der Sulzenalm zu verweilen. Auf über 1.600 Metern wird die friedliche Einsamkeit höchstens vom Geläute weidender Rinder unterbrochen. „Schon als Kind habe ich jeden Sommer hier oben verbracht. Es war quasi mein Kindheitstraum eines Tages die Sennerin auf unserer Alm zu werden“, erzählt Katharina Rettenwender, die von allen liebevoll „Wollehn Kathi“ genannt wird. Die 24-Jährige ist heuer bereits den siebten Sommer auf der Alm. „Als ich mit 17 Jahren das erste Mal die Almwirtschaft betrieben habe, war meine Oma noch mit von der Partie. Von ihr habe ich vieles gelernt. Und jetzt helfen mir immer noch meine Mutter sowie meine Schwestern Babsi und Theresa. Alles ganz allein zu managen wäre bei den vielen Aufgaben nicht möglich“, erzählt Kathi. Die fleißige Sennerin hat täglich ein straffes Programm: Um 6 Uhr läutet der Wecker, dann ist Kühe holen angesagt. „Nach der Stallarbeit frühstücken wir erst mal gemütlich. Die Betonung liegt auf gemütlich – denn die übrigen Mahlzeiten gibt es schnell mal zwischen durch. Wenn wir Pech haben, fällt das Mittagessen auch ganz aus“, meint Kathi und nimmt einen Bissen vom Käsebrot. „Butter, Käse und Brot sind selbstgemacht – das schmeckt man einfach“. Eine kleine Kostprobe erhalten Wandergäste von Kathi auch über die Almcard Filzmoos.
Volles Programm
Nach dem Frühstück richtet die Sennerin ihre Terrasse her und macht sich startklar für die ersten Wanderer, die meist gegen 10 Uhr auftauchen. Schwester Babsi arbeitet währenddessen in der Küche: Käsemachen und Brotbacken sind ihre Vormittagsbeschäftigungen. Den übrigen Tag kümmert sich Kathi um ihre Wandergäste, serviert selbstgemachte Köstlichkeiten und das ein oder andere Schnapsler. Am späten Nachmittag steht ein weiteres Mal die Stallarbeit an. „An warmen Sommertagen kommen Gäste auch noch am frühen Abend auf unsere Alm, um hier den schönen Sonnenuntergang zu genießen. Und es freut mich sehr, dass viele junge Leute nach der Arbeit noch schnell auf eine Jause oder auf ein Feierabendbier zu mir kommen. Hin und wieder sitzt eine Runde dann auch bis spät in die Nacht zusammen“, erzählt die gastfreundliche Filzmooserin. Besonders beliebt ist eine traditionelle Milchspeise, die viele Gäste im Herbst auf die Wallehenhütte lockt: „Süßer Schotten wird auf Almen kurz vor dem Almabtrieb zubereitet und besteht daher aus der letzten Almmilch des Sommers. Diese Speise sollte man sich im Herbst nicht entgehen lassen“, meint Kathi und ergänzt: „Vielen wäre diese Arbeit zu anstrengend oder das einfache Almleben zu altmodisch. Ich aber genieße es sehr, hier zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Vermutlich bin ich wirklich eine geborene Sennerin – und diesen Ausblick hier würde ich für kein Geld der Welt hergeben. Mein schönster Platz ist definitiv die Wallehenhütte in Filzmoos“.